Die erste Geschichte

Zu einer Zeit als es noch Wunder gab...

Als Feen, Magie und Zauber noch bekannt waren...

Genau zu dieser Zeit spielt diese Geschichte.

Es geht um einen tollkühnen Ritter, genannt Etienne der silberne Ritter, und eine kleine Fee und irgendwie auch um eine holde Maid mit Namen Laura Estelle.

Wie sich diese Personen kennegelernt haben, ist eine Geschichte für sich und soll hier nicht erzählt werden. In welchem Zusammenhang die Fee und die Maid zu einander stehen, wird in dieser Geschichte aufgedeckt.

Ein wunderschöner Tag, die Sonne scheint, es weht ein laues Lüftchen. Etienne sitzt auf dem Burghof und poliert seine weiß schimmernde Rüstung. Nach dem Kampf der vergangenen Tage ist sie noch leicht rötlich vom Blut der Orks, gegen die der Ritter den vergangenen Tag gekämpft hatte. Das meiste ist abgewaschen, doch an ein paar Stellen klebt das Blut noch und diese reinigt der Ritter gerade. Diese Arbeit macht er am liebsten selber, es gibt ihm die Möglichkeit die Rüstung auf schadhafte Stellen zu untersuchen.

Etienne hat Laura Estelle bei ihrem Spaziergang über den Burghof zugesehen und dabei fast vergessen, seine Rüstung weiter zu polieren. Das blaue Kleid steht ihr ungemein gut, er sieht ihr zu, wie sie in den Käutergarten geht und sich dort eine blaue Glockenblume für ihr Kleid pflückt...

Aus irgendeinem seltsamen Grund fällt ihm plötzlich seine Rüstung wieder ein und er putzt sie weiter. Ein leichtes Klingen lässt ihn zusammenfahren. Als er hochblickt kann er den Grund nicht sofort ausmachen, sieht dann jedoch ein Funkeln und muß lachen.

"Kleine Fee, mußt Du mich immer so erschrecken?" "Hab ich das? Oh, das tut mir leid." Die Fee sieht ein bisschen geknickt aus, was den Ritter fast ein wenig unglücklich macht und er beeilt sich der Fee zu erklaeren, daß das Klingeln ihrer Flügel immer ein Geräusch von absoluter Schönheit ist, was Menschenohren so selten vernehmen, daß ihr Herz immer etwas schneller schlägt dann.

Zum ersten Mal sieht der Ritter die Fee bei Tageslicht, sie schimmert nicht so deutlich, wie sie es sonst in der Nacht tut. Er ist ein wenig erstaunt, er hatte die Fee deutlich größer geschätzt. Sie ist gerade eine Hand groß und hat ein hübsches blaues Kleidchen an. Die Füße sind nackt, in dem geflochtenen Zopf steckt eine blaue Glockenblume. Sie fliegt um ihn herum und muss über seiner Erklärung lachen. Dann setzt sie sich auf seine ausgestreckte Hand. Der Ritter staunt, das hatte sie noch nie vorher gemacht. Die Fee ist ganz leicht, irgendwie fast wie eine Feder oder so, auf jeden Fall sehr leicht.

"Hast Du Lust auf einen Ausflug? Ich könnte Dir was schönes zeigen..." Mit ihren großen braunen Augen guckt sie ihn fragend an. "Deine Rüstung ist doch in Ordnung." *pling* "Das Saubermachen kann doch Dein Knappe übernehmen, oder?" Etienne überlegt nicht lange, so eine Chance, die Fee in so guter Laune zu sehen und dann auch noch einen Ausflug zu machen, hatte er noch nie. Schnell ist der Knappe herbei gerufen, ihm die Rüstung übergebene und Etienne Aufbruch bereit. Die Fee hat mit ihm ausgemacht, daß sie auf dem Burghof warten wird, aber der Knappe wird sie nicht sehen. Dem Ritter ist schon einmal aufgefallen, daß nur wenige Menschen überhaupt von der Existenz der Fee wissen, aber er vergisst die Fee jedesmal zu fragen, warum dem so sei. Auch dieses Mal kommt ihm der Gedanke, jedoch vergisst er ihn schnell wieder. Er eilt zurück auf den Burghof und setzt sich wieder an seine Lieblingsstelle in die Nähe des Brunnens.

"Magst Du mal fliegen? Magst Du mal meinen Wald sehen? Magst du sehen, wo die Heilquelle für Dein Zaubertaschentuch ist?" Sie strahlt ihn an, diesem Blick aus den leuchtend braunen Augen kann er keinen Wunsch abschlagen. Irgendwo in seinem Hinterkopf überlegte er, wo er so einen Blick schonmal gesehen hatte, aber auch diese Frage vergisst er schnell wiede. "Gerne mag ich mal fliegen, Deinen Wald sehen und die Heilquelle besuchen. Moment, Deinen Wald? Wieso wohnt Du denn im Wald? Versteh ich nicht..." Die Fee muß lachen. "Guck mich doch mal genauer an. Die braunen Haare und die braunen Augen sind doch nicht typisch für andere Feen als Waldfeen." "Ich kenne nur eine einzige Fee und das bist Du, kleine Fee." "Oh... das hatte ich vergessen... Naja, egal. Zum fliegen bist du gerade zu groß, dafür müssen wir etwas ändern"

Sprachs und sprang auf den Boden. Konzentriert machte sie die Augen zu und mumelte etwas. Dann hob sie ab, flog Etienne einmal um den Kopf herum und bat ihn die Augen zu schliessen. Er fühlte sich etwas seltsam und unerklärlichweise leicht. Also die Fee kichern mußte, öffnete er die Augen. Verwundert guckte er auf den Brunnen. Er hatte davor gesessen, aber der Brunnen war nicht so hoch gewesen. Jetzt kam er nicht mal mehr an die Kante heran. Sie konnten den doch nicht heimlich und plötzlich hochgebaut haben? Er stellte sich hin, doch immernoch kam er nicht an die Steinkante heran. Als er um den Brunnen gehen wollte, um herauszufinden, ob irgendwo eine Leiter oder etwas ähnliches vorhanden war, stoppte die Fee ihn. Sie erklärte ihm, daß sie ihn verkleinert habe, damit er die Strecke mit ihr fliegen könne. Wenn er als Mensch die Strecke fliegen wollen würden, würde das vermutlich ihre Kraft übersteigen. Und in dieser Größe würde er auch in ihren Baum gelangen können.

Etienne mußte niesen, als die Fee ihm eine Portion Feenstaub zu pustete. Aber dann merkte er, wie er vom Boden abhebte und machte vor Freunde einen Purzelbaum in der Luft. Sie ergriff seine Hand und zog ihn hoch in die Luft. Wie wundersam die Welt aus Vogelperspektive doch aussieht. Der Ritter sah seinen Knappen beim Reinigen der Rüstung, warf einen Blick in den Kräutergarten und meinte, doch vorhin jemanden dort hineingehen gesehen zu haben. Doch bevor er einen zweiten Blick riskieren konnte, zog die Fee ihn kräftig mit. Sie flogen über einen See, über den Kampfplatz von gestern, über einen Wald, wo er zu seinem Erstaunen etwas weißes sah. "Fee, Fee, ich glaube, ich habe ein Einhorn gesehen, gerade, als wir über den Wald gefolgen sind" Die Fee lächelte nur, und antwortete nicht.

Die beiden flogen durch Wolken, spielten Fangen zwischen den Bäumen in einem anderen Wald und flogen wieder weiter. Schließlich landete die Fee vor einem anderen Wald. "Ab hier müssen wir zu Fuß gehen, aber es ist nicht mehr so weit, von hier. Pass auf, Du bist noch zu leicht, du darfst nicht zu schnell werden, sonst überschlägst Du Dich," warnte sie Etienne noch vorm betreten des Waldes. Doch er, ganz mutiger Ritter, wollte vor ihr in den Wald gehen, es war ihm ins Blut übergegangen, die Lage erst zu sondieren, bevor er eine holde Maid auf einem Spaziergang begleitete. Er wollte sein Schwert ziehen und bemerkte erstaunt, daß er dieses gar nicht dabei hatte. Auch seinen Dolch nicht. Egal, er war ja stark und mutig, er brauchte beides ja eigentlich nicht. Als er an der Fee vorbei eilte, die ihn in diesem Moment stark an die Maid Laura Estelle erinnerte, stolperte er und fiel vornüber. Doch durch die Reste des Feenstaubs war er noch sehr leicht und was in einem Stolpern began, endete in einem Salto, aus dem er sich nicht selber befreien konnte. Die Fee sah ihm nachsichtig zu, und griff dann ein und setzte ihn wieder auf den Boden. "Ich hatte Dich gewarnt." Sie blickte ernst. "Dies ist mein Wald. Es ist ein Feenwald und diese haben ihre eigenen Gesetze." Sie pfiff einmal durchdringend.

Er staunte nicht schlecht. Ein Pferd kam herbei, nein kein Pferd, ein Einhorn. Die Fee hob ihn hoch und setzte ihn auf den Rücken dieses Einhorns. Sie selber blieb in der Luft und flog zur Nase des Einhorns. Mit diesem unterhielt sie sich in einer ihm unverständlichen Sprache, dann küßte sie die Nase des Einhorns und flog voraus. Das Einhorn verfiehl in einen scharfen Galopp, so daß Etienne nichts anderes überblieb, als sich in der Mähne des Tiers festzuhalten. Schließlich landete die Fee wieder und auch das Einhorn hielt an. Leicht benommen rutschte Etienne vom Rücken des Tiers herunter und schaute sich mit großen Augen um. Sie waren auf einer Lichtung angekommen, auf der eine Quelle entsprang und ein wunderschöner großer Baum stand hier. Die Fee eilte zu diesem Baum und versuchte ihn zum umarmen, was ihr natürlich nicht gelang, aber man sah ihr an, daß sie sich freute hier zu sein. Dann flog sie zur Quelle und steckte ihre Füße hinein. "Magst du was trinken?" Sie bot ihm einen Becher Quellwasser an. Gerne nahm er diesen an und trank ihn in zwei Zügen aus. Er fühlte sich sofort besser, all die Abschürfungen und die Ermüdung nach dem Kampf waren verschwunden.

Nun konnte er auch wesentlich klarer gucken als vorher und er betrachtete ihren Baum genau. Wo dort wohl der Eingang zu finden wäre? Grübelnd bewegte er sich Richtung Baum, wollte ihn genau inspizieren. Doch plötzlich gab es einen Ruck und er wurde hochgerissen. Kopfüber hing er in der Luft und zappelte wie wild, um wieder heruntergelassen zu werden. Nach einigem Zappeln beruhigte er sich jedoch wieder und schaute, was ihn hochgezogen hatte. Ein Ast hatte sich um seinen Fuß geschlungen und genau dieser Ast führte ihn nun nahe an den Baum heran. Der Baum hatte eine Art Gesicht, zumindest wirkte es so. Dieses Gesicht musterte Etienne scharf und warf ihn dann mit einem Ruck in die Quelle hinein.

Die Fee lachte. "Ich hatte Dich doch gewarnt, oder? Schon wieder vergessen?" Sie half ihm aus dem Wasser, jetzt fühlte er sich vollkommen gesund und auch stark. Ob diese Quelle wohl die Feenheilquelle ist? Nach den Nebenwirkungen zu urteilen, mußte dies eine richtige Heilquelle sein. Er beschloß sich den Weg zur Quelle irgendwie zu merken, sein fotografisches Gedächnis würde ihm sicher dabei helfen. Aber er hatte seine Lektion gelernt, glaubte er. Aufpassen, wo man hingeht in diesem verzauberten Wald. Die Fee holte ein Tuch hervor und verband Etienne die Augen. "Du wolltest meinen Baum inspizieren? Er hat Dich ja schon begutachtet und wohl für nicht ganz sauber empfunden. Jetzt zeige ich Dir meine kleine Wohnung, im Baum." Sie zog ihn mit, doch vorher hatte sie ihn dreimal um ihn selbst gedreht. Er hatte die Orientierung jetzt vollends verloren, als sie ihn hochzog.

Als er das Tuch abgenommen bekam, glaubte er bestimmt geblendet zu werden, doch es war dunkler, als er gedacht hatte. Erstaunen auf seinem Gesicht, als er sich umblickte. Er befand sich in etwas, was aussah, wie eine kleine Wohnung. Ein Sofa, ein Tisch, eine kleine Kochnische. Auch einen zweiten Raum konnte er sehen, dort stand ein Bett. Auf diesem lag eine Katze, die erstaunt hochblickte und dann ins erste Zimmer wanderte. Auch Fenster waren in dieser Wohnung, der Blick interessierte ihn, er mußte jetzt wirklich hinausgucken. Verwunderlicherweise sah er keine Tür, doch dieses Problem wollte er dadurch lösen, daß er die Fee fragen würde. Der Blick aus den Fenstern raubte ihm den Atem. Aber er konnte den Blick nicht der Lichtung zuordnen, egal aus welchem Fenster er sah. Schließlich gab er auf und setzte sich auf das Sofa. Die beiden tranken eine Tasse Tee und verzehrten ein paar Feenkekse. Die Katze rollte sich zufrieden auf Etiennes Schoß zusammen und schnurrte dank intensivem Kraulen recht laut. Dann, nach einem Blick aus dem Fenster schreckte die Fee zusammen. "Wir müssen los, Du darfst nicht so klein bleiben. Wenn Du im Morgengrauen noch so klein bist, kann ich Dich nicht mehr zurück verwandeln."

Eilig verband sie ihm die Augen und wieder verlor er die Orientierung. Draussen angekommen löste sie das Tuch wieder und steckte es in eine Tasche ihres Kleid. Ein blaues Tuch.

"Fliegen wir auf dem gleichen Weg zurück, wie wir hergekommen sind?" "Nein, dafür haben wir keine Zeit mehr." Sie deutete auf ein Moosbett und bat ihn, sich dort nieder zulassen und die Augen zu schliessen. Ein sehr weiches, sehr gemütliches Moosbett, fast zum einschlafen weich. Er mußte niesen und wieder hatte er dieses Gefühl von Schwerelosigkeit. Als er das Klingen ihrer Flügel hörte, öffnete er wieder die Augen. "Pass auf, geh bitte nicht an den Rand, das Moosbett ist in der Luft, wir fliegen nach Hause. Bleib einfach liegen und schau den Sternen zu. Falls Du einschlafen solltest, wecke ich dich rechtzeitig." Was für ein Gefühl, schwerelos auf einer weichen Decke liegen und die Sterne vorbei ziehen zu sehen. "Fast wie auf Wolken schlafen," flüsterte er. "Woher weißt Du das denn? Es gibt nur eins, was schöner ist, als auf Wolken schlafen. Das ist auf dem Mond zu tanzen, doch das können nur Feen".

Da er sich den Weg nach Hause ja merken wollte, legte er sich aber auf den Bauch und schaute nach unten, dem vorbeiziehenden Land zu. Sie flogen über einen grossen See, er konnte von oben die Fische im Wasser sehen. Diese Feenquelle hatte sehr erstaunliche Wirkungen gehabt, und er befragte die Fee, welche Wirkungen die Quelle auf sie hatte. Mit ruhiger Stimme fing sie an zu erzählen.

Er musste doch eingedöst sein, ihre Stimme hatte so eine beruhigende Wirkung gehabt, daß die Müdigkeit doch zugeschlagen hatte. Fast so, wie die Geschichten seiner Mutter, als er klein war, er hatte so einen schönenen Traum gehabt. Als er das nächste Mal nach unten schaute, sah er den Wald vor dem Schloß. Das Moosbett lag ganz ruhig in der Luft, aufgewacht war er, weil es irgendwie absackte. Die Fee schleppte Steine in der Luft und legte sie auf das Moosbett. Langsam aber sicher ging dieses nieder. Ihm fiel auf, daß ihr Leuchten immer schwächer wurde. Auf Baumwipfelhöhe angekommen fragte er sie, ob er in den Baum klettern solle, doch sie meinte nur, daß er bis zum Boden warten müsse, da sonst die Moosdecke wegfliegen würde, und so eine schöne Decke gäbe es nur sehr selten. Also wartete er geduldig, was ihm nicht so leicht fiel. Kaum war die Decke auf dem Boden, als die Fee in seine Richtung stolperte. Mit geschlossenen Augen, auf der zarten Stirn Schweissperlen, murmelte sie einen Spruch. Ihm wurde schwindelig, als er wieder klar gucken konnte, stellte er fest, daß er wieder normale Menschengröße hatte. Die Fee lag vor ihm auf dem Boden. Sie leuchtete kaum noch. Angstvoll hob er sie hoch und rannte mit ihr vorsichtig in den Burghof. Er suchte das Vogelnest, was er vor ein paar Tagen im einzigen Baum im Hof, einem Apfelbaum, verlassen gesehen hatte. Von seinem Umhang schnitt er ein Stück zum auspolstern des Nests und noch ein Stück, um die die Fee dann zudecken zu können. Wieso er seine Waffen wieder hatte, verstand er nicht so recht, schob dies jedoch auf die Zauberei der Fee. Diese bettete er behutsam darnieder und träufelte ihr ein paar Tropfen Wasser in den Mund. Dann legte er das Nest vorsichtig auf den Boden und überlegte. Er hoffte sehr, daß sie sich wieder erholen würde. Irgendwie erinnerte sie ihn an jemand anderen. Seine Panflöte zückend, spielte er der Fee ganz leise ein Lied. Verwundert sah er zu, wie das Nest abhob und sich wiegend um ihn herum bewegte. Als ihm fast der Atem ausging, landete das Nest auf seinem Kopf.

Die Fee gähnte ausgiebig und reckte sich. Dann erst bemerkte sie ihre Umgebung. "Wo bin ich? Was ist das passiert, ich bin so kaputt." Etienne hob das Nest von seinem Kopf herunter. "Wir waren unterwegs, erinnerst Du Dich? Ich glaube, unser Ausflug hat zuviel von Deiner Kraft gekostet. Kaum waren wir hier und Du hast mich zurück verwandelt, bist Du auch schon zusammen gesunken." Die Fee kletterte aus dem Nest und streckte sich noch mal richtig. Dann begutachtete sie das Nest. "Das ist ja ein hübsches Nest, wo hast du das denn so plötzlich hergeholt?" Sie legte den Kopf schief und schaute ihn fragend an. "Hast du das etwa hergezaubert?" Sie musste kicher. "Nein, ich habe es aus dem Apfelbaum dort geholt, und ein Stück meines Umhangs abgeschnitten, um es für Dich auszupolstern. Was ich Dich fragen wollte, ich habe es nicht verstanden, aber wieso ist das Nest gerade geflogen?" "Hmm... Du hast auf der Panflöte gespielt? Dann ist es kein Wunder. Kannst Du Dich daran erinnern, wie wir uns kennengelernt haben? Du saßt an einer Quelle und hast so schön auf der Flöte gespielt. Das hat mich magisch angelockt. Feen lieben Musik. Und jedes Mal, wenn ich schlafe, verliere ich etwas von meinem Staub, weswegen es mir ab und an passiert, dass mein Bett abhebt. Bei mir zuhause schläft die Katze mit auf dem Bett und sorgt so dafür, daß es auf dem Boden bleibt. Vermutlich bist Du von der Landestelle hier hin gerannt, und hast mich dabei doch etwas durchgeschüttelt. Der Feenstaub kommt aus den Flügeln. Als Du mich dann ins Netz gelegt hast, hat sich der Staub verteilt. Und dadurch wurde das Nest magisch. Freundliche magische Wesen lieben aber Musik. Also mußte das Nest zur Musik tanzen, so quasi."

Von dieser Erklärung rauchte ihm der Kopf, aber er glaubte der Fee, sie mußte es ja wissen. Sie beugte sich vor und zauberte das Nest in ein Beutelchen. Dieses Beutelchen, für sie ein Sack, überreichte sie dem Ritter. "Da, so verpackt, dass es nicht kaputt gehen kann. Unkaputtbar. Vielleicht räumst Du es in eine Deiner Taschen, man kann nie wissen, wozu sowas nochmal gut sein kann."

Dann trat sie zurück, blickte sich um und verwandelte sich vor seinen Augen in die Maid Laura Estelle. Und da fiel ihm die Ahnlickeit wie Schuppen von den Augen. Er setzte zum Reden an, doch da lächelte sie ihn an. "Du mußt diese Verwandlung wieder vergessen, genauso wie den Weg zu Quelle und alles wirklich magische. Es tut mir leid, aber Du wirst glauben, einen schönen Traum gehabt zu haben. Es wäre nicht sicher für mich, wenn ein Sterblicher wüßte, wer ich wirklich bin." Sie öffnete ihre Hand und pustete etwas Feenstaub in seine Richtung. Er mußte schon wieder niesen, setzte dann zum reden an und stockte. Was wollte er sie noch fragen? Er erinnerte sich nur noch an einen Ausflug, an einen Wald und eine schöne Lichtung und irgendwie an einen Traum von fliegen. Sie reichte ihm ein blaues Taschentuch zum Nase putzen und bot ihm ihren Arm an. Gemeinsam gingen sie Richtung Speisesaal, wobei er ihr begeistert von seinem Traum erzählte.


Warum die Prinzessin eine Drachenprinzessin ist

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Verena Diehm
Last modified: Thu Feb 28 17:50:58 CET 2002